Erzählabend – die Geschichten

By | 12. Oktober 2013
  • *Pütze Walter wusste immer um den Gesundheitszustand von Kaare Willi. Als es ihm gar nicht mehr gut ging und keine Besserung mehr in Sicht, hat er damit begonnen seine Rückkehr in seine Heimat vorzubereiten.

    Das Willi nach seinem Tod eigentlich in Mechernich beerdigt werden sollte, weil er dort auch gemeldet war, wollte keiner hinnehmen Die Stadt Euskirchen hatte kein Interesse daran, unseren Willi in
    seiner Heimat zurück zu holen und ihm dort die letzte Ruhe zu geben. Daraufhin haben Freunde und Unternehmer aus Euskirchen dafür Sorge getragen, dass Kaare Willi einen Platz auf
    dem Friedhof bekommt. Auch hier wurde eine große Spendenaktion in Gang gesetzt um das zu verwirklichen. Selbst der Aushub des Grabes, wurde von der Stadt voll in Rechnung gestellt.
    Kurz vor der Beerdigung hat die Stadtverwaltung dann doch noch einen Trauerkranz niederlegen lassen. Mit solch einem Bürgerinteresse an unserem Willi hat man wohl nicht gerechnet.

  • *Willi war immer freundlich. Erinnerungen aus Kindertagen: Willi grüßte immer mit Ovend. In der Jugendsprache wurde das übernommen und man sagte sich halt *Ovend* wenn man sich traf.
  • *Kaare Willi hat den Sprachfehler von seiner Mutter geerbt hatte. Aus Schulzeiten Ihrer Mutter erzählte eine Bürgerin, wenn sie aufgerufen wurde und sich vorstellen sollte, wie sie denn heißt:
    Anna Puffed = Anna Pützfeld. Die Geschwister von Willi hatten diese Störung nicht.
  • *Willis Pferd stand auf einer Weide, Ecke Carmanstr. dort wurde es überfüttert mit Brot, von Menschen die es gut meinten. Das Pferd wurde immer dicker und bekam Koliken.
  • *Willi immer mindestens einen Stummel von de Zigarre im Mund. Am Bahnhof wurde das Ärztehaus gebaut: Willi war Hilfsarbeiter hatte einen gelben Helm auf. Erzähler trifft ihn: Willi wie geht es: hot. Stellt fest, dass Willi die Pief verkehrt
    herum im Mund hat, spricht ihn an und bekommt als Antwort: Ne dat is richtisch so, söns wid der Tabak naas.
  • *Wenn Willi zur Krankenkasse ging und was klären wollte, verstanden ihn die Mitarbeiter nicht. Nur einer, der saß in der 1. Etage und wurde dann extra dazu gerufen und übersetzte Willis Anliegen.
  • *Eines Nachts war auf dem Alter Markt Krawall, Willi und die Polizei im Einsatz. Am anderen Morgen fragte Frau Bremen: Willi wat wor dan des nach los? Deng Tül wor al, han ob den tül oppepas.
    Er hat auf die Stühle aufgepasst, damit die nicht weg kamen.
  • *Auch im Rosenmontagszug von Euskirchen hat Willi für Aufsehen gesorgt. Als Kröppe Honk oder Fuzzy, sogar als Queen von England war er unterwegs.
    Wobei er als Fuzzy der Westernheld wohl seine beste Rolle hatte: Ganz nah am Original
  • *Auf dem Bau kamen dann solche Sprüche wie Rosen, Tulpen, Nelken: Fuzzy ist am Kälken.
  • *Maat Stüffje Maibaumfällen und Aufstellen. Transport mit einem Pritschenwagen. Willi saß mit im Führerhaus, allerdings war der Geruch der von ihm ausging, sehr streng,
    da war guter Rat teuer. Überlegung Willi davon zu überzeugen, dass der Baum hinten auf der Ladefläche hin und her rutschen würde, er solle den doch festhalten.
    Gesagt, getan und die Luft war wieder frisch.
  • *Wenn Arbeiten anstanden, war Willi immer da, sich für nichts zu schade. Oh Willi könnste net ens grad….. Selbst bis nach Straßfeld auf die Kippe ist er mit seinem Kaare
    gefahren, alles zu Fuß. *De Rehme ab ob de Scholder und dann jö*. Spontan hat er immer geholfen. Willi war wirklich begabt, ihn konnte man für alle Arbeiten brauchen.
    Nur wenn man versucht hat ihn auszunutzen, hat er schnell gehandelt: i net bekop i hau af.
  • *Mit dem Bruder einer Erzählerin ist er ist ganz normal in die Volksschule gegangen. Er wurde *mit durchgeschleppt*, da gab es nicht so wie heute eine
    Hilfsschule / Behindertenschule, einen Logopäden oder ähnliches. Auch das war normal.
  • *Willi konnte keine Uhrzeit lesen, wusste sich aber zu helfen, als er von einem Passanten gefragt wurde. Lur do offe an de Kirch, do siehste die Zick.
    So hat er auf seine Weise Auskunft gegeben.
  • *Willi brauchte sein Geburtsdatum, ist zur Stadt gegangen und hat dort nachgefragt; kant du mir son, wie alt ich bin, oder wann ich geboren bin.
    Das Datum wurde ihm aufgeschrieben, mit dem Zettel ist er dann los um sein Geburtsdatum weiterzugeben. Jetzt hat er den Zettel hingehalten, allerdings in einem Abstand,
    das konnte keiner so lesen. Er sollte näher kommen, Willi ganz erstaunt; wie kannste du net löse…
  • *Wenn man Willi den Auftrag gegeben hat, dass er auf etwas aufpassen sollte, dann hat er das kompromisslos getan. Am C&A hat ein Kinderkarussell gestanden.
    Dieses wurde jeden Abend abgedeckt. Es war wohl Kirmes in der Stadt und Willi hat bemerkt, dass jemand die Plane aufgeschlitzt hat. Voller Entrüstung ist es in Haus
    Grober gestürmt und hat eine Gruppe Euskirchener Sportler beschuldigt, das getan zu haben. Willi hat in seiner bekannten Weise richtig Rabatz gemacht. Er hätte genau
    gesehen, dass sie das gewesen wären. Nachdem man ihm dann erklärt hat, dass sie gerade von einem Auswärtsspiel gekommen sind, gab er nach und meinte: Wenn du
    dat sähs, dann stömt dat. Leider kam er dem Täter nicht auf die Spur.
  • * Willi war immer in Oberwichterich auf dem Schützenfest. Jedes Jahr immer fleißig dabei. Die Schützen haben ihm eine Uniform überreicht, weiße Hose, weißes Hemd mit Krawatte,
    schönes Sakko, schicke Schuhe Allerdings dauerte es keine Stunde, da war der Uniform dahin. Da war die weiße Hose nicht mehr weiß.
    Damit war Willi überfordert, dass *staats sin* wor net sin Welt.
  • *Willi immer hilfsbereit, wurde einmal gebeten eine Frau von der Kolpingstr. nach Hause zu bringen; die kann net mie so richtig. Er hat sie nach Hause gebracht,
    sie hat ihn noch gebeten Briketts aus dem Keller zu holen. Am nächsten Tag wurde er gefragt und Willi wie war es, hast du die Frau gut nach Hause gebracht?
    Willi; immer noch geschockt : oh hür op, it han kütte holt, komme wete ove, do stond die nackisch do…
  • *Nachdem Willi den Traktor Führerschein gemacht hatte, hat es von der Polizei klare Anweisung bekommen, wenn es getrunken habe, darf er damit nicht fahren.
    Irgendwann trifft mit seinem Kaaren im Schlepptau auf die Polizei und sie haben ihn gefragt, ob der Traktor kaputt sein.
    Ne, sät de Willi ich hat zovel gedronke, da han ich den ston losse
  • *Auch heute noch seine Sachen mit denen Kaare Willi gearbeitet hat im Umlauf. Sein Grab wird von einer Gärtnerei verpflegt, die immer noch mit der Schubkaare von unserem Willi arbeitet.
  • So wie Walter vom Schalter bekannt war, wurde selbst sein Konto bei der Sparkasse wurde unter dem Namen Willi geführt.
Gedächtnis Protokoll des Abends zusammengetragen von Iris Erdmenger